An diesen Tagen gedenken wir der Opfer der Deportation vom 12./13. Februar 1940.
„Herzlichen Dank für den Brief und die Einlagen, ein klarer Lichtblick in der Finsternis! (…) Ihr habt nicht die leiseste Ahnung von unserem „Leben“ hier, wir hatten früher auch nicht solche Träume. (…) Dabei immer nur Schnee und Eis, wir haben alle erfrorene Füße. Wenn die Organisationen nur schneller arbeiten möchten, wir rufen SOS.“
Sechs Wochen nach der Deportation versendet Käthe Meyer aus Głusk diesen Hilferuf. In der Dauerausstellung „Pommern im 20. Jahrhundert“ wird dieses Verbrechen an den pommerschen Juden und Jüdinnen mit Faksimiles ihrer Kennkarten verbildlicht. Zwei von ihnen gehörten dem Ehepaar Käthe und Martin Meyer. Im Projekt „Experiment in Catastrophe“ schrieben wir ihre Briefe fort und stellten uns die Frage danach, wie sich das Gedächtnis in uns einschreibt. Eine künstlerische Reise auf den Spuren der Deportierten und Anregung für individuelle Erinnerungspraxis war ein Bestandteil der Sonderausstellung und erschien auch als Buch mit dem gleichnamigen Titel „Experiment in Catastrophe“. Die Deportation vom 12./13. Februar 1940 sollte eine Probe auf die Reaktion des Auslandes darstellen. Hannah Arendt schreibt vom „Experiment“ im Hinblick auf den Ablauf weiterer Deportationen, die das nationalsozialistische Regime in den Folgejahren in nahezu ganz Europa durchführte.
Anlässlich des 85. Jahrestages der Deportation finden in der Region zahlreiche Gedenkveranstaltungen und Präsentationen statt:
Greifswald: Der Arbeitskreis Kirche und Judentum lädt am 13. Februar zum Stolpersteinrundgang mit anschließender Andacht in der Marienkirche/Annenkapelle.
Bereits am Vorabend fand ein informativer Vortrag von Heiko Wartenberg im Greifswalder Rathaus mit dem Titel „Ermordet, aber nie vergessen – 85 Jahre Deportation der jüdischen Einwohner Pommerns“ statt. Als Hitler am 30. Januar 1933 sein Kabinett bildete und den Antisemitismus zur Staatsdoktrin erhob, ergab sich für die jüdischen Deutschen eine neue Situation. In Pommern lebten damals rund 7800 Mitbürger mit jüdischen Wurzeln, ein Drittel davon in der Provinzhauptstadt Stettin. Bereits vor dem Machtantritt der Nationalsozialisten hatten zahlreiche Juden und Jüdinnen die Provinz verlassen. Mit den ab 1933 erlassenen Gesetzen nahmen Ausgrenzung und Druck zur Emigration zu. Berufsverbote und systematische Ausraubung durch die „Arisierung“ der Betriebe, Geschäfte und Vermögen setzten ein. Um 1939 lebten noch 3329 Personen mit jüdischen Wurzeln in Pommern. Um die Provinz „judenrein“ zu machen, erfolgte hier am 12./13. Februar 1940 die erste Massendeportation deutscher Juden und Jüdinnen. Von den 1124 in das Gebiet Lublin Deportierten überlebten nur etwa 20 Menschen den Holocaust.
Szczecin: TSKŻ, Oddział w Szczecinie und Archiwum Państwowe veranstalten am 13. Februar 2025 eine Kranzniederlegung am Standort der Synagoge, sowie eine Ausstellungseröffnung „Obecność Nieobecnych” in Książnica Pomorska.
Pasewalk: Bereits am 12. Februar wurde am Gleis 4 des Pasewalker Bahnhofs auf Initiative des Fördervereins des Museums der Stadt Pasewalk eine Stolpersteinschwelle für die von dort deportierten Personen verlegt.
Die Dauerausstellung „Pommern im 20. Jahrhundert" mit den zahlreichen Zeitzeugeninterviews und Faksimiles der Kennkarten sowie der Museumsshop des Pommerschen Landesmuseum mit einschlägigen Publikationen zur Geschichte Pommerns können innerhalb der Öffnungszeiten besucht werden: Di–So 10–17 Uhr.
Foto: Experiment in Catastrophe, Natalia Szostak und Weronika Fibich