Zwei Prachtstrumpfpaare aus dem Nachlass von Lina Bahlmann standen im Mittelpunkt des Workshops am 21. und 22. März 2026.
Unter der Anleitung von Connie Müller-Gödecke und Agnieszka Kaczmarska widmeten sich die Teilnehmende den Besonderheiten der Strick- und Stickkunst des Pyritzer Weizackers. Die Strümpfe aus der Schenkung dienten dabei als Vorbilder und wurden erstmalig im Rahmen des Projektes der Kulturreferentin für Pommern und Ostbrandenburg der Öffentlichkeit präsentiert.
An zwei Tagen strickten die Teilnehmenden, beginnend mit dem Strumpfbündchen, ihre Projekte. Mit roter Wolle schlugen sie Maschen an und betraten zugleich das für viele neue Terrain des Stickens auf Strick. Die praktische Arbeit wurde jeweils durch fachliche Impulse der Workshopleiterinnen begleitet.
Connie Müller-Gödecke stellte ihre Strickforschung vor und analysierte in ihrer Präsentation die Konstruktion des Pyritzer Strumpfes. Sie zog aufschlussreiche Vergleiche zu den Strick-Techniken des Baltikums, eines ihrer Studiengebiete, und eröffnete neue Perspektiven für die hiesige Textilforschung. Sie erstellte auch ein ausführliches Handout für den Workshop mitsamt Strickanleitung und stellte die Arbeitsmaterialien zusammen. Bisher hat sie unter anderem die Geschichte der Mönchguter Pottmütze aufgearbeitet, als Strickanleitung zugänglich gemacht und damit zu ihrer Wiederbelebung beigetragen. In ihrem informativen Blog unter www.wockensolle.de finden sich zahlreiche weitere interessante Beiträge zu diesem Themenfeld.
Agnieszka Kaczmarska vermittelte den Teilnehmenden die Stickstiche und ging dank ihrer umfassenden Erfahrung differenziert auf zahlreiche Details ein: Wie wählt man die passende Nadel? Wie wird ein Stich auch auf der Rückseite sauber ausgeführt? All das erfordert beim Sticken auf Strick viel Geduld und Übung. „Das Sticken ist mein Leben“, sagt sie. Besonders die Kreuzstickerei gehört zu ihren großen Leidenschaften. Mit dem Kunsthandwerk beschäftigt sie sich bereits seit ihrer frühen Jugend und wurde mit ihren Arbeiten mehrfach bei Wettbewerben ausgezeichnet. Das Sticken selbst – ebenso wie der Umgang mit Farben und Garnen – versteht sie als ein haptisches Vergnügen, das die Sinne anregt und Genuss bereitet.
Dorota Makrutzki führte die Gruppe durch die Dauerausstellung „Pommern im 20. Jahrhundert“, in deren Rahmen die Strumpfpaare temporär präsentiert wurden. Dabei spannte sie den Bogen von der lokalen Geschichte über die Alltagskultur bis hin zu den dramatischen politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts. Besonders hervorgehoben wurden die textilen Exponate, die das Leben der Menschen, ihre Traditionen und handwerklichen Fertigkeiten veranschaulichen. In ihrem Impulsvortrag am Nachmittag ging sie der Frage nach: „Tracht – Zeichen von Individualität oder Objekt politischer Vereinnahmung?“ Dabei wurde deutlich, wie politisch Handarbeit sein kann.
Zu ihren „Statement Socks“ gaben die Teilnehmenden folgendes Feedback:
„Jeder kann Handarbeiten – und jeder kann Dinge kreieren.“
„Handarbeit ist politisch, weil ich Kaputtes reparieren kann, mich keiner Mode anpassen muss und politische Statements tragen kann.“
„Alles wird neu interpretiert.“
„Der Schnelllebigkeit und der Wegwerfgesellschaft etwas entgegensetzen.“
„Die Veranstaltung lässt textile Tradition erlebbar und wieder lebendig werden. Erst durch das eigene Stricken wurde mir bewusst, dass Tradition immer auch Interpretation und ständige Veränderung bedeutet.“
„Mut zu neuen Wegen, die traditionelle Einflüsse aufnehmen.“
„Gerne wieder – und mehr davon.“
„Freude und Wärme. Spannend fand ich die vielen Informationen über die Tradition des Pyritzer Weizackers.“
„Ich trage keine Pyritzer Strümpfe, aber ich kann Elemente dieser Tradition in für mich tragbare Strickstücke übernehmen und sie so weiterleben lassen.“
Dieser Workshop war eine Fortsetzung der Workshopreihe des Kulturreferats für Pommern und Ostbrandenburg zu traditionellen textilen Handwerkstechniken. Beim Workshop waren als Kooperationspartner der Arbeitskreis „Traditionelle Textilien“ im Heimatverband MV und das Festival für Textilkunst in Stettin (Festiwal Tkaniny w Szczecinie) beteiligt.
Diese erfolgreiche Zusammenarbeit wird auf jeden Fall weitergeführt!
Text: Dorota Makrutzki
Redaktion: Connie Müller-Gödecke