„Häuser der Anwesenden. Anamnesis“ zur Greifswalder Kulturnacht
Am 11. September 2026 wurde das Pommersche Landesmuseum im Rahmen der 24. Greifswalder Kulturnacht zum Ort einer besonderen Begegnung mit Tanz. In drei 15-minütigen Performances nahm die polnische Butoh-Tänzerin und Künstlerin Magdalena Jakubów das Publikum mit auf eine Reise zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Mit „Häuser der Anwesenden. Anamnesis“ widmete sich Jakubów den Spuren von Erinnerung und Identität. Ihre Performance kam dabei ohne Sprache aus. Körper, Geste, Bewegung und Stille wurden zu einer eigenen Ausdrucksform, in der persönliche und kollektive Erinnerungen aufeinandertrafen.
„Mich erstaunt und bewegt es immer wieder, welches Potenzial in der Butoh-Kunst liegt, jene Kanäle des Fühlens und der Wahrnehmung zu öffnen, die andere Ausdrucksformen oft nicht erreichen.“ – Magdalena Jakubów
Die Künstlerin stammt aus den in Polen sogenannten „wiedergewonnenen Gebieten“– ehemals ostdeutschen Regionen, die in Folge des Zweiten Weltkriegs an Polen fielen. Ihre künstlerische Arbeit ist eine Auseinandersetzung mit der Erinnerung an diese Landschaften: geprägt durch Krieg, Flucht, Vertreibung, Neuansiedlung – ein Raum kultureller Brüche und Neuanfänge. Die Butoh-Performance machte diese Geschichte nicht durch eine lineare Erzählung sichtbar, sondern über eine sinnliche und körperliche Erfahrung. Dabei entstand ein Resonanzraum für Erinnerungen, in dem sich immer neue „Gegenwarten – Obecności“ zeigten: Fragmente von Erinnerungen, Identitäten und Geschichten, die miteinander ein sich ständig wandelndes Kontinuum bildeten. Die Performance gab dabei keine eindeutigen Antworten vor, sondern eröffnete einen Raum für eigene Wahrnehmungen und Erinnerungen.
„Die ästhetische Sprache des Butoh erlaubt einen emotional direkten Zugang und lädt das Publikum ein, für einen Moment innezuhalten, zu spüren, zu erinnern“, so Jakubów.
„Häuser der Anwesenden. Anamnesis“ verstand sich damit als interkulturelle und transhistorische Brücke zwischen Polen und Deutschland, zwischen persönlichem und kollektivem Gedächtnis sowie zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Performance lud dazu ein, Geschichte nicht nur als etwas Vergangenes zu betrachten, sondern als etwas, das in Körpern, Landschaften und Gegenständen weiterwirkt.
„Diese Veranstaltung schließt für mich eine Lücke und hat gleichzeitig eine große symbolische Bedeutung. Viele Jahre habe ich darauf gewartet, auf der deutschen Seite dieser Region tanzen zu können. Das bedeutet mir sehr viel“, sagte Magdalena Jakubów nach ihrem Auftritt.
Die Veranstaltung war ein Projekt der Kulturreferentin für Pommern und Ostbrandenburg und wurde durch das Bundesministerium des Innern gefördert
Tanzperformance: Häuser der Anwesenden. Anamnesis
Zum Projektarchiv des Kulturreferats für Pommern und Ostbrandenburg.