Das Stoewer-Imperium - Filmabend

Szeene in der Stoewerstraße in Eggesin.
Filmstill: „Das Stoewer-Imperium – Von der Waschmaschine zur Limousine“. Stoewerstraße in Eggesin.

Am 18. November 2025 stand im Rahmen des Festivals polenmARkT ein Abend ganz im Zeichen der Geschichte der Stettiner Stoewer-Werke.

Der Film „Das Stoewer-Imperium – Von der Waschmaschine zur Limousine“ bot einen eindrucksvollen Blick auf die wenig bekannte Industriegeschichte. Regisseurin Helena Kwiatkowska zeichnet darin das Porträt von Bernhard Stoewer und seinen Söhnen Emil und Bernhard (dem Jüngeren), die mit Unternehmertum, Innovationsgeist und technischer Präzision ein vielseitiges Industrieunternehmen schufen. Über sieben Jahrzehnte prägte die Familie Stoewer die Entwicklung Stettins und die europäische Technikgeschichte. Das Unternehmen produzierte zunächst Nähmaschinen, Waschmaschinen und Schreibmaschinen, später auch Fahrräder, Motorräder, Busse, Traktoren sowie schließlich die berühmten Stoewer-Automobile – elegante Modelle für Männer und Frauen, Basistypen ebenso wie extravagante Sonderanfertigungen. Viele Fahrzeuge wurden bei Rennen erprobt; von einigen Modellen existierten nur wenige Exemplare. Der Film veranschaulicht diese Entwicklung anhand von seltenem Archivmaterial, privaten Sammlerstücken und einzigartigen Exponaten aus dem Museum für Technik und Kommunikation in Szczecin (Stettin). Er zeigt nicht nur den Aufstieg der Industriellenfamilie, sondern auch die schwierigen Jahre der 1920er und 1930er, in denen die Stoewers zunehmend den Einfluss auf ihr Unternehmen verloren und die Söhne schließlich zum Ausscheiden aus der Firma gedrängt wurden.

Im Anschluss an die Vorführung fand ein Publikumsgespräch statt. Neben Regisseurin Helena Kwiatkowska standen Dr. Andrzej Wojciech Feliński (Museum für Technik und Kommunikation) und Marek Fialek (polenmARkT) für Fragen zur Entstehung des Films, zum Umgang mit dem Kulturerbe, zu technischen Details der historischen Fahrzeuge sowie Archivrecherchen zur Verfügung. Das Publikum nutzte die Gelegenheit für fundierte Nachfragen und lebhaften Austausch. Im Gespräch wurde auch die wachsende Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit Stettins thematisiert – ein Forschungsfeld, das seit etwa 15 bis 20 Jahren an Breite gewinnt. Neben Werken über die Familie Stoewer entstehen derzeit weitere filmische Projekte, darunter ein neuer Film von Helena Kwiatkowska über Eryk von Zedtwitz, Diplomat, Journalist und bedeutender Marinemaler, der in Misdroy (Międzyzdroje) lebte, Polnisch lernte und über 2.000 Gemälde hinterließ. Sein Werk gilt heute als Ausdruck besonderer Verbundenheit mit der Ostseeküste.

Die Gastgeberin des Abends war die Kulturreferentin für Pommern und Ostbrandenburg Dorota Makrutzki, die gemeinsam mit Landeshistorikerin Marie Lührs die Podiumsgäste in die historische Dauerausstellung einlud. Darin werden die politisch-wirtschaftlichen Entwicklungen der Weimarer Republik und die Machtergreifung durch die NSDAP in Pommern thematisiert. Das alles geschah unter dem wachsamen Auge des Hasen Edgar Malschitzki – als Erzähler unterstützt das Maskottchen die museumspädagigischen Angebote im Pommerschen Landesmuseum und steht stellvertretend für die lebendige und zugängliche Vermittlung regionaler Geschichte.

Ein Abend, der Infotainment, einen fesselnden Film und angeregte Gespräche vereinte – und das Publikum mit spürbarem Stolz auf ein beeindruckendes Erbe entließ.

Vielen Dank an die Mitorganisatoren und alle Förderer: das Bundesministerium des Innern, den Landkreis Vorpommern-Greifswald, die Sparkasse Vorpommern, die Universität Greifswald mit ihrem International Office (IO), die Universitäts- und Hansestadt Greifswald. Die Filmproduktion wurde im Rahmen des Interreg VI A-Programms Mecklenburg-Vorpommern / Brandenburg / Polska 2021–2027 gefördert.

 

Podiumsgäste zu Besuch in der historischen Dauerausstellung - vor einer Vitrine mit Produkten der Stoewer-Werke.
Zu Besuch in der historischen Dauerausstellung. Foto: Dorota Makrutzki
Im Cockpit eines Stoewers sitzt ein Plüschhase.
Edgar Malschitzki wird bei Vermittlungsprogrammen der Museumspädagogik im Pommerschen Landesmuseum eingesetzt.
Die Filmvorführung war gut besucht. Foto: Marek Fiałek