Projektausblick
Mit Blick auf den Herbst richtet das Kulturreferat für Pommern und Ostbrandenburg den Fokus auf drei grenzüberschreitende Projekte. Sie schlagen kulturelle Brücken und verbinden textile Traditionen, kulturelles Erbe und Erinnerungskultur über Ländergrenzen hinweg.
Historische Obstsorten entlang der Drage: Apfelfest am 19. September 2026
Der Drawieński Nationalpark im Süden der polnischen Wojewodschaft Westpommern sowie in der historischen Neumark beherbergt zahlreiche verwilderte Obstwiesen und Einzelbäume, die auf das kulturelle Erbe der bis 1945 dort lebenden deutschen Bevölkerung zurückgehen. Nach deren Vertreibung infolge des Zweiten Weltkrieges blieben die Obstgärten zurück – viele sind vergessen oder verwildert. Ohne Pflege oder auch mit den fortschreitenden Jahren können die alten Obstsorten verloren gehen. Dank der Arbeit engagierter Mitarbeitender des Nationalparks konnte dieses Kulturgut im Drawieński Nationalpark größtenteils gesichert werden. Durch den fachlichen Austausch mit Pomologinnen und Pomologen aus Deutschland seit 2023 – unter anderem bei Sortenschauen 2023 und 2025 in Greifswald und durch Beteiligung am Apfelfest in Drawno (Neuwedell) 2024 – rückt dieser verborgene Schatz der alten Obstsorten wieder stärker in den Fokus.
Studienreise und Bandwebworkshop: Geschichte des Webens – von Astrid Dibbelt bis Gundel Hergenhan
Durch das Engagement von Gundel Hergenhan wurden kürzlich Repliken von Bändchen aus dem Nachlass von Astrid Dibbelt zugänglich gemacht. Diese Objekte stehen exemplarisch für textile Traditionen Pommerns und des Ostseeraums sowie für die Geschichte der Webschulen in Pommern. Astrid Dibbelt stand ihrem Mann Otto Dibbelt bei der Gründung des Heimatmuseums in Kolberg (Kołobrzeg) zur Seite und gründete dort eine erste Webschule. Gundel Hergenhan vermittelte bereits in einem 2025 realisierten Workshop textile Techniken, biografische Erfahrungen und kulturhistorische Zusammenhänge auf eindrucksvolle Weise. Ziel des vom 12. bis zum 15. Oktober geplanten Projekts ist es, handwerkliches Wissen, biografische Erinnerung und kulturhistorische Forschung miteinander zu verbinden.
Im Mittelpunkt steht die Technik und Geschichte des Bändchenwebens mit Kamm als immaterielles Kulturerbe sowie der persönliche Erfahrungsschatz von Gundel Hergenhan. Gleichzeitig soll das Projekt zur Vernetzung von Sammlungen, Archiven und musealen Einrichtungen beitragen und Einblicke in textile Überlieferungen ermöglichen (u. a. Kolberger Webschule, Heimatmuseum). Die Archivalien mit der naturkundlichen Sammlung gelangten mit dem Ehepaar von Kolberg nach Stralsund, wo sie vor kurzem geordnet und erforscht wurden. Eine aktuelle Sonderausstellung im Deutschen Meeresmuseum Stralsund würdigt Dibbelt als Naturkundler und späteren Direktor: „Otto Dibbelts Traum – ein Natur-Museum für Stralsund“ Ein Besuch der Ausstellung sowie der Zugang zur Sammlung Dibbelt sind wesentliche Bestandteile des Vorhabens.
Das Projekt wird in Kooperation mit dem Muzeum Oręża Polskiego in Kołobrzeg und mit dem Festiwal Tkaniny in Szczecin umgestezt.
Studienreise: Orte der NS-Euthanasie in Pommern östlich der Oder und Gedenkstätte Lasy Piaśnickie (Piasnitzer Wald)
Im Rahmen der Studienreise vom 24. bis 27. Oktober 2026 soll das Thema NS-Euthanasie vertieft behandelt werden. Im Zentrum der Reise stehen ehemalige Provinzialheilanstalten östlich der Oder. Ziel der Reise ist eine umfassende Bestandsaufnahme, fotografische Dokumentation, Archivrecherche sowie die Erfassung lokaler Erinnerungszeichen. Ebenso vorgesehen sind Gespräche mit lokalen Forschungsgruppen und Geschichtsvereinen sowie die Auseinandersetzung mit regionalen Erinnerungskulturen. Zu den zentralen Erinnerungsorten zählen ehemalige Anstalten in: Stettin-Kückenmühle (Szczecin), Lauenburg (Lębork) und Treptow an der Rega (Trzebiatów), mit einem abschließenden Besuch der Gedenkstätte im Wald von Piasnitz (Piaśnica), bei Neustadt (Wejherowo). Die Reise richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie an Expertinnen und Experten aus den Bereichen Geschichte, Pädagogik, Gedenkstättenarbeit, Medizin und Ethik sowie an Studierende.
Veranstaltungstipps im Pommerschen Landesmuseum
Grenzüberschreitende Projekte spielen in der Arbeit der Kulturreferentin eine zentrale Rolle. Ergänzend dazu stehen in diesem Halbjahr weitere Kooperationsprojekte mit dem Pommerschen Landesmuseum im Fokus:
Weitere Veranstaltungen des Pommerschen Landesmuseums finden Sie im Veranstaltungskalender.
Zum Projektarchiv des Kulturreferats für Pommern und Ostbrandenburg.