Zehn Jahre Schengen: Deutsch-polnische Debatte und Tagesfahrt für Einwohnerinnen und Einwohner der Grenzregion
Anlässlich des zehnten Jahrestags von Polens Beitritt zum Schengen-Raum fand am 22. November 2017 in Greifswald eine deutsch-polnische Debatte mit Einführungsvortrag statt, die die tiefgreifenden Veränderungen im Grenzraum thematisierte. Eine Tagesfahrt für Einwohnerinnen und Einwohner der deutsch-polnischen Grenzregion ergänzte die Veranstaltung.
Wie sich der Alltag in der Grenzregion durch das Schengener Abkommen gewandelt hat, wurde eindrücklich diskutiert: Stacheldraht, gerodeter Grenzstreifen, Überwachungskameras – ein Bild, das auf dem Gebiet der 26 Schengen-Staaten längst der Vergangenheit angehört. Wo noch Mitte 2007 am Strand von Swinemünde (Swinoujscie) ein Schild vor dem Überschreiten der Grenze warnte, verläuft heute Europas längste Strandpromenade. Wie selbstverständlich wohnen Stettiner in Löcknitz und Umgebung – ihre Kinder besuchen dort das deutsch-polnische Gymnasium. Diese Errungenschaften werden allzu gern als selbstverständlich hingenommen, wenn man auf die Schattenseiten offener Grenzen verweist: So etwa die gestiegene Kriminalität als eines der stärksten Argumente der Schengen-Skeptiker gegen die Öffnung der östlichen Grenze Deutschlands im Jahr 2007. Im Gespräch mit Akteuren des öffentlichen Lebens wurde auf den durch Schengen ausgelösten Prozess in der Region geblickt und der aktuelle Stand problematisiert. Die Veranstaltung hat zudem Gelegenheit dazu geboten, einen gemeinsamen Blick in die Zukunft zu richten.
„Nach Greifswald fahren wir zum Arzt oder um etwas zu erledigen. Und jetzt waren wir im Museum. Besonders hat uns die Stadtführung gefallen und die Debatte, weil wir das hier in Blankensee ja im Alltag schon leben“. (Erwin H., Teilnehmer aus Blankensee)
Einführungsvortrag: Von der „Friedensgrenze“ zum Schengener Abkommen
Als „die unantastbare Friedens- und Freundschaftsgrenze“ wurde im Görlitzer Abkommen vom 6. Juli 1950 die Grenze zwischen der DDR und der VR Polen anerkannt. Mit der Realität der kommenden knapp 40 Jahre, hatte diese
Interpretation hingegen wenig gemein. Lediglich in den 1970er Jahren gab es für gerade acht Jahre einigermaßen freien Grenzverkehr. Insbesondere entlang der „innerpommerschen“ Grenze entzündeten sich immer wieder
Streitfälle. So war schon im Vorfeld des Görlitzer Vertrages die genaue Grenzziehung im Stettiner Gebiet alles andere als unumstritten. Erst nach 1989 verbesserten sich die nachbarschaftlichen Beziehungen an der Grenze spürbar und fanden ihren Höhepunkt im Beitritt Polens zum Schengen-Raum.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit polenmARkT e.V., der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Vorpommern und dem Informationszentrum der Euroregion Pomerania e.V. in Schwedt.