Am 13. September 2024 verstarb in einem Hamburger Pflegeheim der am 3.6.1935 in Stettin geborene und in Anklam aufgewachsene Archivar Peter Koepke. Er leitete 1955 bis 1960 das Anklamer Heimatmuseum. Ein von ihm angefertigtes Stadtmodell ist dort, im heutigen Museum am Steintor, noch zu besichtigen. Es zeigt den historischen Marktplatz um 1840 und damit kurz vor dem Abriss des Renaissance-Rathauses 1841 und rund 100 Jahre vor der weitgehenden Zerstörung der übrigen Bebauung am 29. April 1945. Als Neunjähriger war Peter Koepke Augenzeuge der Bombardierung geworden und das Erlebnis beschäftigte ihn zeitlebens. 2005 berichtete er davon in einem Länderreport im Deutschlandfunk Kultur. Zusammen mit seiner Mutter hatte er das Geschehen von einem Hügel bei Ramnitzow aus beobachtet: „Wir sahen in der Richtung, wo Anklam lag, plötzlich weißen Dampf aufsteigen, der sich nachher wandelte in eine riesen-schwarze Rauchwolke über Anklam und dann am Abend den ganzen Himmel rot erhellt. Wir sahen aber auch, dass von überall her deutsche Soldaten ziellos flüchteten, es war also ein völliges Durcheinander, nichts von Verteidigung zu sehen. Dann plötzlich ein Geheule von Flugzeugen über uns, ein deutscher Angriff auf Anklam, der die nun von Sowjets besetzte Stadt, den Nachschub stören sollte.“
Im Jahr des Mauerbaus 1961 verließ Koepke die DDR und begann in Hamburg ein neues Leben. Er wurde Archivar in einer Zweigstelle des Hamburger Stadtarchivs in Altona und lebte zuletzt in einem eigenen Haus in Wedel. Seine eigentliche Heimat blieb jedoch Anklam. Häufig kam er zu Besuch.
Koepke war Mitglied der Gesellschaft für pommersche Geschichte, Altertumskunde und Kunst und sammelte alles, was mit der Geschichte Pommerns und vor allem mit Anklam zu tun hatte. Dort wurde seine Urne nach seinem testamentarischen Wunsch neben der seiner Ehefrau, die schon im Dezember 2023 verstorben war, auf dem Alten Friedhof beigesetzt. So kehrte er zuletzt nach Anklam zurück. Die Sehnsucht nach seiner Heimatstadt war für ihn zugleich eine Sehnsucht nach der ewigen Heimat. Das verband ihn mit dem Pastor und Schriftsteller Walter Schröder (1884–-1955), der ebenfalls in Anklam aufwuchs und fern der Heimat in Berlin verstarb. Ein Vers aus seinem plattdeutschen Gedicht „Herr Gott, dat ist mien Bäden“ fand sich in Koepkes Unterlagen; mit zittriger Hand hatte er ihn ungefähr ein Jahr vor seinem Tod aus dem Gedächtnis aufgeschrieben: „Un führ uns an Dien Hand/ in't ewig Heimatland.“
Seinen gesamten Nachlass vermachte Peter Koepke dem Pommerschen Landesmuseum, wo er ganz im Sinn des Stifters zur dauerhaften Bewahrung und Dokumentation der Kunst, Kultur und Geschichte Pommerns beiträgt.
Das Pommersche Landesmuseum wird das Andenken an Peter Koepke in Ehren halten.