In Erinnerung an Dr. Gustav Seils

Dr. Gustav Seils und Dr. Ruth Slenczka in der historischen Dauerausstellung. Foto: Dorota Makrutzki
Dr. Gustav Seils und Dr. Ruth Slenczka in der historischen Dauerausstellung. Foto: Dorota Makrutzki

Dr. Gustav Seils ist am 12. Juli 2025 im Alter von 90 Jahren verstorben. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm verbunden waren.

Das Pommersche Landesmuseum und das Kulturreferat für Pommern und Ostbrandenburg verdanken seinem unermüdlichen Engagement nicht nur ein herausragendes Objekt in der historischen Dauerausstellung, sondern auch eine berührende deutsch-polnische Begegnung, die alle Beteiligten in dankbarer Erinnerung behalten werden. 

„Ich war elf Jahre alt, als ich half, eine geheimnisvolle Truhe aus einem Fluchttransport zu öffnen – darin lag ein Kelch, der mich tief beeindruckte. Ich habe über all die Jahre immer wieder an den Kelch gedacht. Es war eigentlich kein Zufall mehr, eher eine Eingebung, dass ich mich auf die Suche gemacht hatte.“ – Dr. Gustav Seils, am 15. März 2023

Mit diesen Worten blickte Dr. Seils auf eine Geschichte zurück, die in seiner Kindheit begann – im Frühjahr 1945, als bei seinem Vater, Superintendent Ernst Seils in Grimmen, ein Fluchttransport aus Naugard eintraf. Unter den ausgelagerten Kirchenakten befand sich eine verschlossene Truhe. Der elfjährige Gustav half, sie mit einem Eisensägeblatt zu öffnen. Was darin zum Vorschein kam, beeindruckte ihn tief: ein filigran gearbeiteter Abendmahlskelch aus dem frühen 14. Jahrhundert.

Sein Vater erkannte sofort die kunsthistorische Bedeutung des Fundes und ließ ihn zur sicheren Verwahrung nach Greifswald bringen. Der Kelch wurde im Tresor der Kirchenbehörde aufbewahrt.

Durch die beharrliche Nachfrage von Dr. Seils kam der Kelch nach Jahrzehnten wieder zum Vorschein. Er wurde kunsthistorisch untersucht und schließlich als Leihgabe an das Pommersche Landesmuseum übergeben, wo er in der Dauerausstellung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich ist.

Dr. Seils nahm auch Kontakt zum Probst der Marienkirche in Nowogard auf, Grzegorz Legutko. Sein Brief, schlicht und herzlich, legte den Grundstein für ein außergewöhnliches Treffen: Menschen aus Polen und Deutschland, aus katholischer wie evangelischer Tradition, kamen im März 2023 im Pommerschen Landesmuseum zusammen, um sich gemeinsam an die Pommersche Geschichte zu erinnern – und an das, was dieser Kelch symbolisiert: Glauben, Verantwortung und Versöhnung.

Die Begegnung mit Herrn Dr. Seils und seiner Geschichte bleibt allen, die dabei waren, als eindrücklicher Moment gelebter Geschichte im Gedächtnis.

Mehr zum Abendmahlskelch aus St. Marien in Naugard/Nowogard, der im historischen Kellergewölbe des Museums ausgestellt ist, finden Sie auf unserer Homepage

Bericht der Kulturreferentin für Pommern und Ostbrandenburg zur Veranstaltung am 15. März 2023