Internationale Konferenz in Kulice/Külz

Herbstliche Landschaft - Blick auf das Gutshaus Külz.
Gutshaus Külz/Kulice - Standort der Tagung.

Aktuelle Forschungen zur Erinnerungskultur

Im Jahr 2025 jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 80. Mal – ein Anlass, die Praktiken des Erinnerns neu zu untersuchen, besonders vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Wie wirkt sich der aktuelle Krieg „vor den Türen Europas“ auf die Erinnerung an frühere Ereignisse und auf den Umgang mit den Erinnerungsorten des Zweiten Weltkriegs aus? Wer schuf diese Orte des Gedenkens? Auf welche Weise entstanden sie, und wie wandelten sich gesellschaftliche und geschichtspolitische Perspektiven auf sie?

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen näherten sich diesen Fragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Vorgestellt wurden unter anderem Forschungsprojekte zur Aufarbeitung der NS-Krankenmorde in der Heil- und Pflegeanstalt Meseritz-Obrawalde von Katarzyna Sztuba-Frąckowiak. Joanna Bednarska-Rydzewska beleuchtete die Literatur als Strategie der Aufarbeitung im Fall der Lebensbornkinder. Breite Diskussionen rief auch die neue Ausstellung „Nasi chłopcy“ des Zentrums für Historische Forschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Berlin und des Museums Gdańsk hervor, deren Konzept und Zielsetzung Kurator Andrzej Hoja präsentierte und die im Rahmen der Tagung diskutiert wurden. Aus Greifswald nahmen Historikerin Marie Lührs und Kulturreferentin Dorota Makrutzki an der Tagung teil, sodass sie für geplante Projekte Kooperationen anbahnen konnten.

Die Konferenz fand im Międzynarodowy Ośrodek Badań Interdyscyplinarnych der Universität Szczecin in Kulice (Interdisziplinäres Forschungszentrum der Universität Szczecin in Külz, MOBI US) vom 13. bis zum 15. November 2025 im Rahmen des Projektes Mare 2 statt. Die Leitung der Konferenz lag bei Dr. Paweł Migdalski vom Historischen Institut und dem MOBI.

Das Projekt wird von der Europäischen Union im Rahmen des Programms Interreg VI A Mecklenburg-Vorpommern / Brandenburg / Polen 2021-2027, Priorität 3: Bessere grenzüberschreitende Teilhabe durch Sprache, Kultur und Tourismus, Spezifisches Ziel 4.6: Kultur und nachhaltiger Tourismus gefördert. Das Pommersche Landesmuseum ist assoziierter Partner von Mare 2.

Das Forschungszentrum befindet sich in einem historischen Gutshaus mit weitläufigem Park im Dorf Kulice (Külz), Gemeinde Nowogard (Naugard), rund 70 km von Szczecin (Stettin) entfernt. Külz und die umliegenden Ländereien gehörten über Jahrhunderte der Familie von Dewitz, deren Hauptsitz das Schloss in Daber (Dobra) war. Von 1727 bis 1945 befanden sich Külz sowie die benachbarten Orte Kniephof (Konarzewo) und Jarchlin (Jarchlino) im Besitz der Familie von Bismarck. Zwischen 1838 und 1844 verwaltete der spätere deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck das Gut. 1848 ließ sein älterer Bruder Bernhard von Bismarck das gemauerte Herrenhaus errichten, das in den folgenden Jahrzehnten erweitert wurde. In unmittelbarer Nähe entstanden Wirtschaftsgebäude des Guts und 1865 eine neoromanische Kirche. Im Park befindet sich das Grab von Katharina von Bismarck, der Ehefrau des letzten Gutsherrn. Nach 1945 wurde der Besitz Teil des Staatlichen Landwirtschaftsbetriebs; das Herrenhaus war Verwaltungsstandort und diente als Wohnraum für Beschäftigte.

Kontakt MOBI US: Kulice 24, Kulice, Poland, https://kulice.usz.edu.pl/de/