Jüdisches Leben in Stettin vor der Shoah

Das Pommersche Landesmuseum in Greifswald veranstaltete kürzlich gemeinsam mit der Kulturreferentin Dorota Makrutzki einen Workshop zur Erforschung des jüdischen Lebens in Stettin (heute Szczecin) vor der Shoah. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Stettin ist bislang nur unzureichend erforscht und steht hinter der anderer Großstädte im preußischen Osten zurück.

Der Workshop widmete sich insbesondere zwei zentralen Aspekten: Zum einen der Deportation von 1940, bei der die jüdischen Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt als erste Großstadt im Deutschen Reich vollständig aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Dieses einschneidende Ereignis markiert den Beginn des Endes des deutschen Judentums während des Zweiten Weltkriegs und ist sowohl lokal als auch national von großer Bedeutung. Die Deportationen führten in den Bezirk Lublin des Generalgouvernements, gefolgt von weiterer Verschleppung in Vernichtungslager.

Zum anderen stand die Erforschung von Quellen zum jüdischen Leben vor 1940 und der nationalsozialistischen Verfolgung im Fokus. Besonders hervorzuheben sind die umfangreiche Kennkartenkartei der Stettiner Polizei, die im Staatsarchiv Szczecin erhalten ist, sowie Interviews mit Shoah-Überlebenden aus den 1990er Jahren, die im Visual History Archive der University of Southern California archiviert sind.

Der Workshop wurde von Prof. Dr. Jörg Hackmann von der Universität Stettin sowie Gunter Dehnert vom Pommerschen Landesmuseum moderiert. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Universität Stettin, der Universität Greifswald und dem Pommerschen Landesmuseum statt und setzte wichtige Impulse für die weitere Erforschung und Erinnerung an das jüdische Leben in Stettin.