Die Konferenz in Kulice glich einer lebendigen deutsch-polnischen und internationalen Bibliothek voller Pomeranica.
Die Referent*innen vermittelten einen Überblick zur bisherigen Historiographie Pommerns von der jungen Demokratie nach dem Ersten Weltkrieg über die Zerstörungen im Nationalsozialismus bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Fülle der deutschen und polnischen Forschung wurde sichtbar und zugleich konnten Forschungslücken aufgezeigt werden.
Die inhaltlichen Blöcke nahmen die vielfältigen Bereiche der Gesellschaft in den Blick: Politik, Verfassung, Wirtschaft, Soziales, Kultur, Bildung, Krieg und Militär.
Inbesondere die pommersche Forschung an der Universität Szczecin zog und zieht einen Bogen zwischen der Literatur auf Deutsch und auf Polnisch und verschiedenen Fachbereichen. Prof. Dr. Paweł Gut gab einen Überblick zur Verwaltungsgeschiche und Dr. Tomasz Ślepowroński zur Politikgeschichte des Nationalsozialismus. Dorota Kurek-Śliżewska referierte zu religösen Gruppen und Prof. Dr. Dariusz Chojecki zur Demografie und Gesundheitsversorgung. Dr. hab. Barbara Ochendowska-Grzelak bereicherte die Vorträge um kunsthistorische Perspektiven auf die Zwischenkriegszeit.
Zum Abschluss der Konferenz versuchte eine international besetzte Podiumsdiskussion ein Fazit zu ziehen: „Die Geschichte Pommerns – sind wir bereit für eine Synthese“? Dabei ging es auch um konkrete Überlegungen zu Publikationen, die einen Überblick zur pommerschen Geschichte von 1918-1945 geben sollen. Prof. Dr. Sylwia Bykowska vom Institut für Geschichte der Polnischen Akademie der Wissenschaften aus Gdańsk erläuterte zusammen mit Prof. Dr. Jörg Hackmann von der Universität Szczecin die Ausgangslage anhand der Publikationen und Thesen von Gerard Labuda. Daran entfaltete sich eine spannende Diskussion über Zäsuren und den sinnvollen zeitlichen Rahmen einer Überblickdarstellung. Wie viel vom Ersten Weltkrieg muss erzählt werden, um die Etablierung der Weimarer Republik und der Zweiten Polnischen Republik zu verstehen? Welche Bedeutung wird der Grenzregion und dem sogenannten Korridor zugeschrieben und Bevölkerungsgruppen, die sich außerhalb von, mit oder auch über Ländergrenzen bewegen? Wie kann die Geschichtsschreibung von nationalen Narrativen gelöst werden und wie gelingt eine gemeinsame Verständigung auf historische Begriffe?
Die Konferenz ermöglichte internationale Blickwinkel auf die Fragen zur Historiographie Pommerns und schuf einen Raum für einen wissenschaftlich fundierten und respektvollen Austausch über komplizierte, politische und aktuelle Debatten.
Die Internationale Konferenz fand vom 26.-28. März 2026 im Międzynarodowy Ośrodek Badań Interdyscyplinarnych der Universität Szczecin in Kulice (Internationales Zentrum für interdisziplinäre Studien der Universität Szczecin in Kulice/Külz, MOBI US) unter dem Titel statt: Wie schreibt man die Geschichte Pommerns in der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reiches (1918-1945)? Errungenschaften der Geschichtsschreibung, Stand der Forschung und Forschungsansätze
Veranstalter und Förderer: das Historische Institut und International Center for Interdisciplinary Studies mit der Forschungsgruppe für die Geschichte Pommerns der Universität Szczecin, die Historische Kommission für Pommern und die Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung.