Kunstreisen mit Tiefgang
Im Rahmen der Sonderausstellung „Zwei Männer – ein Meer. Pechstein und Schmidt-Rottluff an der Ostsee“ fanden äußerst gut angenommene Studienreisen statt, die die Lebensstationen der Brücke-Künstler in den Mittelpunkt stellten.
Eine zweitägige Exkursion führte kunstinteressierte Teilnehmende nach Chemnitz, Zwickau und Berlin – Städte, die nicht nur die Geburtsorte von Karl Schmidt-Rottluff und Max Pechstein sind, sondern heute auch bedeutende Museen des deutschen Expressionismus beherbergen. Stationen wie das Museum Gunzenhauser, das Max-Pechstein-Museum und das Brücke-Museum vermittelten eindrucksvoll die Entwicklung der Künstlerpersönlichkeiten sowie den Einfluss ihrer Herkunft auf ihr Werk.
Auch das bewährte Exkursionsformat „Komm, ins Offene!“ zog mit der aktuellen thematischen Verbindung von Kunst, Biografie und Landschaft eine breite, altersgemischte Gruppe an. Die Ausstellungsbegleitungen bestätigten damit einmal mehr das Potenzial kulturtouristischer Angebote zur Teilhabe über Generationen hinweg.
Studienreise nach Leba
Der Begriff „Künstlerkolonie Leba“ bezeichnet eine Gruppe von Malern des frühen 20. Jahrhunderts, die sich bis Ende des Zweiten Weltkrieges gelegentlich in der Kleinstadt Leba (heute das polnische Łeba) in Hinterpommern aufhielten bzw. Ateliers unterhielten. Insbesondere durch den die Abgeschiedenheit der Region suchenden Max Pechstein, der im Jahre 1921 dort erstmals mehrere Wochen verbrachte und sich nach der Heirat mit der gebürtigen Lebaerin Martha Möller regelmäßig in Leba aufhielt, gewann die Region in Künstlerkreisen weitere Bekanntheit. Auch Karl Schmidt-Rottluff, ein Weggefährte Pechsteins aus Zeiten der Künstlervereinigung „Brücke“, hielt sich zwischen 1932 und 1943 in den Sommermonaten gern in Leba auf. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde das am Lebasee gelegene Rumbke (heute Rąbka) für ihn zu einem Ort des Rückzugs. Auf den Spuren der beiden Künstler führte die vom 7. bis 10. Mai 2015 durchgeführte Studienreise zu Orten des Schaffens beider Maler in Leba (Łeba) und Rumbke (Rąbka), in den Slowinzischen Nationalpark, zum heiligen Berg Rekevol (Rokowół) und in das Freilichtmuseum der Slowinzen in Klucken (Kluki). Wanderungen, Bildbetrachtungen und ein Vortrag von Julia Pechstein, der Enkelin des Künstlers, die an der Reise teilnahm, rundeten das Programm der Exkursion ab.
Studienreise nach Nidden (Nida)
Nidden (heute das litauische Nida) auf der Kurischen Nehrung gehörte zu den ältesten Künstlerkolonien Deutschlands. Durch seine exponierte Lage zwischen Ostsee und Haff und wegen der grandiosen Dünenwelt der Nehrung zog der Ort schon früh Künstler an. Ab etwa 1900 verbreitete sich der Ruf der Kolonie bis nach Berlin. Bald schon reisten Maler und andere Künstler im Sommer dahin. Unter den Malern des Expressionismus liebte besonders Max Pechstein diesen Künstlerort. Lovis Corinth, Ernst Mollenhauer sowie der Schriftsteller Thomas Mann wurden dort ansässig. Auch Karl Schmidt-Rottluff gastierte 1913 auf der Nehrung. Den größten Zulauf erlebte der Fischerort ab Ende der 1920er Jahre. Mit Kriegsende 1945 versank zunächst die Tradition des Malerparadieses. Seit der Unabhängigkeit Litauens blüht sie wieder auf. Im Rahmen der vom 12. bis 21. Juni 2015 durchgeführten Studienreise bekamen die Reiseteilnehmerinnen und -teilnehmer neben einer Einführung in die Geschichte der Künstlerkolonie und ihrer wichtigsten Vertreter einen Schnupperkurs zur Geschichte Litauens, insbesondere des historischen Memellandes. Die Studienreise wurde in Zusammenarbeit und mit fachlicher Unterstützung des Ostpreußischen Landesmuseums Lüneburg und seiner Kulturreferentrin durchgeführt.