Perspektiven auf das Pommernlied

Gruppenfoto im Lichthof des Pommerschen Landesmuseums. Familie Pompe gemeinsam mit den ReferentInnen nach der Veranstaltung, Foto: Julia Kruse
Familie Pompe gemeinsam mit den Referent*innen nach der Veranstaltung, Foto: Julia Kruse

Am 31. Januar 2026 lud das Pommersche Landesmuseum gemeinsam mit dem Kulturreferat für Pommern und Ostbrandenburg zu einer vielfältigen Auseinandersetzung mit dem Pommernlied ein. Die Veranstaltung zeigte ein Kaleidoskop an wissenschaftlichen, musikalischen und biografischen Perspektiven. Umwoben von Musik gelang ein kritisches und zugleich offenes Gespräch. Anlass war eine großzügige Schenkung der Familie Pompe, die auch das Autograf des „Pommernlieds“ enthielt.

Zu Beginn sang der Studiochor des Instituts für Kirchenmusik und Musikwissenschaft der Universität Greifswald einige Strophen des Liedes „Freiheit, die ich meine“. Dieser populäre und emotional hoch aufgeladene Gesang bildete die musikalische Grundlage für das 1851 gedichtete Pommernlied. Margret Ott stellte in der Biografie Adolf Pompes seine frühe Prägung in Stettin und seine Lebensstationen in verschiedenen pommerschen Städten – als Lehrer in Stettin, Dresden und Greifenberg (Gryfice), als Pfarrer in Labes (Łobez), Lauenburg (Lębork) und Demmin – vor. Die Recherchen beeindruckten durch ihre Quellenvielfalt und die umfassende genealogische Aufarbeitung.

Einblicke zur Entstehung und Rezeption des „Pommernliedes“ gab Martin Loeser. Detailliert zeigte er die romantischen und emotionalen Bezüge in dem Liedtext auf. Ein besonders dramatisches Beispiel zur Interpretation war die Sinfonie „Die Heimat“ von Kurt Graunke, die den erinnerungspolitischen Umgang mit Flucht und Vertreibung aus Pommern nach 1945 in der Bundesrepublik widerspiegelt, indem sie die Liedmelodie aufgreift und verfremdet. 

Am Runden Tisch kamen die Referent*innen und das Publikum mit Walter Pompe ins Gespräch. Das „Pommernlied“ nahm für die aus Pommern stammenden Familien eine Trostfunktion ein. Für die Familie Pompe waren sie ein Teil des Familienalltags. Die Jacke aus der Studentenverbindung des Urgroßvaters eignete sich beispielhaft als schöne Verkleidung für den Karneval. In der DDR war das „Pommernlied“ dagegen wie alle Verweise auf Pommern offiziell verpönt. In der Pommerschen Evangelischen Kirche bewahrte es dagegen seine Tradition, wie der frühere Bischof berichtete: Ehejubilare hätten sich immer wieder gewünscht, gemeinsam das „Pommernlied“ zu singen. Die lebhafte Diskussion zeigte die Aktualität und Emotionalität des Themas.

Mit dem Ohrwurm „Wo de Ostseewellen trecken an den Strand“ entließ der Chor das Publikum in den Abend – eine stimmige Hommage anlässlich des 150. Geburtstags der Dichterin Martha Müller-Grählert. Zugleich Anlass für eine weiterführende Reflexion über die Wandlungsfähigkeit historischer Lieder: von „Freiheit, die ich meine“, das nationale Freiheitsvorstellungen des 19. Jahrhunderts bündelte, bis zum „Pommernlied“, das sich als Landeshymne etablierte. So spannte das Programm einen Bogen von politischen Freiheitsideen hin zu kulturell geprägten Heimatvorstellungen und machte deutlich, wie Lieder kollektive Selbstbilder formen und über Generationen hinweg transformieren. 

Für die sehr gute Zusammenarbeit danken wir insbesondere der Familie Pompe, dem Institut für Kirchenmusik und Musikwissenschaft und dem Pommerschen Greif e.V.

Wer mehr von Müller-Grählert und Pompe kennenlernen will, sei herzlich zum Tag der Druckkunst am 15. März 2026 ins Pommersche Landesmuseum eingeladen.

Präsentation der Schenkung am runden Tisch. Foto: Julia Kruse
Präsentation der Schenkung am runden Tisch. Foto: Julia Kruse
Dreiteiliger Druckstock, Kopie aus dem Brief Adolf Pompes an seine Mutter, 19. März 1852
Dreiteiliger Druckstock, Kopie aus dem Brief Adolf Pompes an seine Mutter, 19. März 1852