Bericht zum Projekt: Folklore im Spiegel
Vom 22. bis 30. Mai 2026 trafen sich in Pommern im Rahmen des Projekts „Folklore im Spiegel“ drei Folkloregruppen aus Polen, Deutschland und Brasilien. Die Begegnung knüpft an die gemeinsame Konzertreise nach Brasilien vor zwei Jahren an, die das Folkloreensemble der Ihna Erlangen zusammen mit dem Zespół Pieśni i Tańca Ziemi Goleniowskiej „Ina" anlässlich des Jubiläums „200 Jahre deutsche Einwanderung nach Brasilien“ durchführten.
Projektteilnehmer:
Lustige Volkstanzgruppe Bergtal (Nova Petrópolis, Brasilien)
Zespół Pieśni i Tańca „Ina“ (Goleniów, Polen)
Folkloreensemble der Ihna Erlangen (Erlangen, Deutschland)
Ein besonderer Höhepunkt für alle beteiligten Gruppen war das Treffen mit der Mönchguter Trachtengruppe. Diese pflegt seit vielen Jahrzehnten die Tanz- und Trachtentraditionen der Halbinsel Mönchgut. Viele Mitglieder der Volkstanzgruppe tragen original überlieferte Familientrachten oder sorgfältig rekonstruierte Nachbildungen. Für die internationalen Teilnehmenden aus Brasilien, Polen und Deutschland bot diese Begegnung einen eindrucksvollen Einblick in die lebendige Weitergabe kulturellen Erbes vor Ort. Mönchgut zählt gemeinsam mit dem Pyritzer Weizacker südöstlich von Szczecin/Stettin zu den historisch besonders ausgeprägten Trachtenregionen Pommerns.
Die Gruppen präsentierten sich bei öffentlichen Auftritten in Erlangen, Szczecin/Stettin und Göhren und traten dabei intensiv in Austausch mit Publikum und lokalen Akteurinnen und Akteuren. Die Teilnehmenden trugen Tanztrachten, die auf historischen Überlieferungen basieren und von den Gruppen sorgfältig entworfen oder sogar teilweise eigenhändig gefertigt wurden. In vielen Fällen wurden Details der Kostüme in Handarbeit ergänzt, repariert oder individuell weiterentwickelt, sodass sich historische Überlieferung, Funktionalität für den Tanz und persönliche Gestaltung eng miteinander verbanden.
Ein verbindendes Element der trilateralen Zusammenarbeit war ebenfalls der pommersche Krakowiak. Dieses Tanzstück, das auf eine historische Verbreitung durch polnische Erntearbeiter in Pommern zurückgeht und von Willi Schulz dokumentiert wurde, wurde von den Gruppen für die gemeinsame Finale aufgegriffen. Dadurch entwickelte es sich zu einem zentralen künstlerischen Bezugspunkt der Begegnung zwischen den Ensembles der drei Länder.
Ergänzend führten die Gruppe Exkursionen in die Region, unter anderem nach Wolgast, Heringsdorf und Eldena, zu zentralen Orten pommerscher Kulturgeschichte und vertieften den Bezug zur regionalen Tradition. Die Teilnehmenden beschäftigen sich mit historischen Trachten, die im Stadtmuseum Wolgast, im Pommerschen Landesmuseum und dem Heimatmuseum Gören ausgestellt sind. Im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald setzten sie sich mit musealen Darstellungen alter Textilien auseinander und erstellen im Anschluss kurze Videoclips für soziale Medien, die das Erbe der Region und ihre Weiterführung und Popularisierung als Tanztrachten in der Folklore sichtbar machen sollen.
Die Auswertung der Teilnehmenden zeigt, dass insbesondere persönliche Begegnungen, gemeinsames Erleben sowie Musik und Tanz als besonders wertvoll wahrgenommen wurden. Viele äußerten den Wunsch, die entstandenen Kontakte langfristig fortzuführen und weitere gemeinsame Projekte zu entwickeln.
Das Vorhaben verdeutlicht, wie kulturelles Erbe im internationalen Austausch lebendig vermittelt werden kann. Zugleich wird sichtbar, dass Fragen kultureller Identität und kulturellen Austauschs an ihrer Aktualität nicht verlieren und Raum für vertiefende Reflexion bieten.
„Folklore im Spiegel“ verband historische Bezüge, folkloristische Tanzpraxis und internationale Begegnung. Für zukünftige Projekte erscheint es wichtig, diese Schwerpunkte weiter zu stärken und gezielt Raum für vertiefende Begegnungen, handwerkliches Können und Austauschformate zu schaffen.
Silvia Jäger, Zbigniew Łukaszewski, Dorota Makrutzki
Das Programm der Begegnung wurde aus den Mitteln des Bundesministerium des Innern als Projekt der Kulturreferentin für Pommern und Ostbrandenburg gefördert.