Großzügige Schenkung gewebter Bändchenrepliken
Das Kulturreferat für Pommern und Ostbrandenburg hat eine großzügige Schenkung der Webmeisterin Gundel Hergenhan erhalten: rekonstruierte, gewebte Bändchen nach historischen Vorlagen. Bereits im vergangenen Jahr fand ein Workshop mit Gundel Hergenhan statt, die sich auf das Erforschen und Rekonstruieren alter Webmuster spezialisiert hat.
Im Archiv des Deutschen Meeresmuseums konnte Gundel Hergenhan auf Materialien zurückgreifen, die im Zuge der Aufarbeitung des Nachlasses von Otto und Astrid Dibbelt erschlossen wurden. Über die Ergebnisse und Bestände schrieb Peter Danker-Carstensen in seinen Texten. Der Nachlass umfasst zahlreiche Dokumente, Fotografien und textile Zeugnisse, die Einblicke in die Geschichte der von Astrid Dibbelt gegründeten Kolberger Webschule geben. Der erste Lehrgang der Webschule begann am 2. November 1925; zunächst war sie als Abteilung des Kolberger Heimatmuseums angesiedelt.
Die Aufmerksamkeit der Kunsthandwerkerin gilt den erhaltenen Bändchenmustern, die lediglich in Form kleiner Textilfragmente überliefert sind. Die Rekonstruktion dieser Muster hat sich Gundel Hergenhan vorgenommen. Ein Set der rekonstruierten Bändchen steht nun für zukünftige Projekte des Kulturreferats zur Verfügung.
Die Anleitungen zum Weben dieser und vieler weiterer Bänder sind auf der Webseite von Gundel Hergenhan zu finden: https://bandweben.info/literatur/
Weiterführende Veröffentlichungen von Peter Danker-Carstensen über Astrid Dibbelt und die Kolberger Webschule:
- Die Kolberger Webschule, in: Zeitschrift Pommern, Heft 2/2022
- Astrid Dibbelt: Weblehrerin – Pilzsachverständige – Mäzenin, in: Zeitgeschichte Regional, 28. Jahrgang, 2024
Außerdem:
- Nadine Garling, Provenienzforschung innerhalb der Otto-Dibbelt-Sammlung in den Stralsunder Museen, transcript Verlag, 2024
Vor dem Hintergrund aktueller Modetrends erfahren Bänder und Schleifen derzeit eine besondere Aufmerksamkeit. Unter dem Begriff Bow Core haben sich Schleifen (Bows) in den Jahren 2024/2025 zu einem dominanten Gestaltungselement entwickelt, das Romantik und Verspieltheit betont. Sie finden sich sowohl als filigrane Details als auch als bewusst gesetzte, teils dramatische Statements und verzieren Kleidung, Haare, Schuhe sowie Accessoires wie Taschen oder Ohrringe. Die historischen Bändchenmuster und ihre Rekonstruktionen eröffnen dabei eine kulturhistorische Perspektive, aus der sich gegenwärtige Trends neu einordnen und reflektieren lassen.