Shorashim – Gedenken mit Film und Gespräch

In Gedenken an die Opfer der antisemitischen Deportationen in Pommern am 12. und 13. Februar 1940.

Anlässlich des Jahrestages zeigte das Pommersche Landesmuseum zusammen mit dem Kulturreferat für Pommern und Ostbrandenburg am 11.02.2026 den Film „Shorashim“ (Polen 2025, 56 Minuten). In dem Dokumentarfilm begleiten die zwei Filmemacher*innen aus Szczecin, Kinga Konieczny und Paweł Sroka, eine berührende Spurensuche. Peter Nelke möchte Stolpersteine in Erinnerung an seine ermordeten Großeltern Max und Rosa Nelke in Szczecin verlegen. Das jüdische Ehepaar wurde am 13. Februar 1940 von Stettin aus unter grausamen Bedingungen ins von den Deutschen besetzte Lublin verschleppt. Diese Deportation bezeichnete Hannah Arendt in ihrem Buch „Eichmann in Jerusalem“ als eine „Probe für die Vernichtung“. Damals wurden über 1.100 Personen aus dem Regierungsbezirk Stettin deportiert. Sie verschwanden über Nacht. Lautlos.
Der Film zeigt eindrücklich die schwierige Suche und Annäherung an die eigene Familiengeschichte, von der fast keine materiellen Erinnerungen geblieben sind. Peter Nelke beschreibt ein Familienfoto seiner ermordeten Großeltern in der elterlichen Wohnung. Er versucht gemeinsam mit den Filmemacher*innen mehr über das Leben der beiden zu finden. Hinweise entdecken sie vor allem in Dokumenten der Täter. Max und Rosa Nelke wurden auf Kennkarten des Polizeipräsidiums Stettins erfasst. Die Karten waren Teil der antisemitischen Verfolgung, die mit der Stigmatisierung und Auflistung durch die Behörden begann. 

In der historischen Dauerausstellung „Pommern / Pomorze – Land am Meer“ im Pommerschen Landesmuseum sind Kopien dieser Kennkarten aus dem Staatsarchiv Szczecin (Archiwum Państwowe w Szczecine) zu sehen. Auch die Karten mit Fotos und Angaben von Max und Rosa Nelke sind Teil der Greifswalder Ausstellung.   

An den Film schloss sich ein Gespräch mit der Filmemacherin Kinga Konieczny an. Sie beschrieb eindrücklich die Begleitung von Peter Nelke während der aufwühlenden und oft intimen Momente der Trauer. Bei der intensiven Recherche arbeiteten die Filmemacher*innen mit einer Vielzahl an Historiker*innen, Archiven und Gedenkstätten zusammen. Im Austausch mit dem Publikum wurde deutlich, wie sehr die Erinnerung an die Shoah und den Zweiten Weltkrieg angemessene Orte benötigt. Eine Filmsequenz zeigt den verfallenen jüdischen Friedhof in Piaski. Eine traurige Parallelität kann zu dem jüdischen Friedhof in Greifswald gezogen werden, der vielen Menschen ganz unbekannt ist.

Der deutsch-polnische Abend verdeutlichte, wie wichtig und verbindend ein gemeinsames Gedenken ist. Für ihren eindrucksvollen Film und ihre wertvolle Unterstützung der Gedenkveranstaltung gilt Kinga Konieczny und Paweł Sroka ein besonderer Dank. 
Wir bedanken uns zudem bei den Kooperationspartnern, insbesondere dem polenmARkT e.V. für die Finanzierung des Eintritts, dem Arbeitskreis Kirche und Judentum und der Gesellschaft für pommersche Geschichte, Altertumskunde und Kunst.
Weitere Hintergründe und zeitgenössische Auseinandersetzungen mit der antisemitischen Deportation vom 12./13. Februar 1940 lassen sich in der vom Kulturreferat für Pommern und Ostbrandenburg herausgegebenen Publikation „Experiment in Catastrophe“ nachlesen.

Text: Marie Lührs
Online-Redaktion: Dorota Makrutzki, Julia Kruse

Kinga Konieczny und Marie Lührs nach dem Podiumsgespräch, Foto: Julia Kruse
Kinga Konieczny und Marie Lührs nach dem Podiumsgespräch, Foto: Julia Kruse