Dr. Dariusz Kacprzak erforscht die Sammlung Doering
In einer sommerlichen Ausgabe der „Kunstpause“ rückte am 16. Juli 2025 Dr. Dariusz Kacprzak das Gemälde „Im Biergarten“ (1905) von Albert Weisgerber in den Mittelpunkt. Mit fachkundiger Einordnung lenkte er die Aufmerksamkeit auf ein bedeutendes Werk des deutschen Impressionismus und seine Geschichte.
Das großformatige Ölgemälde (Öl auf Leinwand, 106,5 x 86,3 cm) zeigt eine gesellige Szene im Biergarten „Grüne Laterne“ im saarländischen Sankt Ingbert, nur wenige Schritte vom Geburtshaus des Künstlers entfernt. Stilistisch ließ sich das Werk mit späten Arbeiten von Wilhelm Trübner, Fritz von Uhde und insbesondere Max Liebermann vergleichen. Unter den dargestellten Personen sind Hermann Kahn, Oberlandsgerichtsrat, sowie Johannes Hautz, Direktor des Konservatoriums Kaiserslautern, zu erkennen.
Albert Weisgerber, Absolvent der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München, galt als vielversprechendes Talent seiner Zeit. Sein Schaffen endete abrupt im Ersten Weltkrieg: Am 10. Mai 1915 fiel er bei Fromelles im Alter von nur 37 Jahren.
Sein Gemälde „Im Biergarten“ wurde von dem Mäzenenehepaar Frida und Wilhelm Doering gekauft und 1925 dem Museum der Stadt Stettin übergeben. Ende 1944 wurde es zusammen mit weiteren wertvollen Kunstwerken in der Städtischen Sparkasse am Königsplatz (heute: Plac Żołnierza Polskiego) in Stettin eingelagert. Im Frühjahr 1945 erfolgte unter der Aufsicht des Stadtbibliothekars Wilhelm Eggebrecht und auf Anweisung des Oberbürgermeisters Werner Faber die Evakuierung nach Coburg. Nach mehreren Stationen gelangte das sich in der Treuhand der Stiftung Preußischer Kulturbesitz befindliche Werk 1969 zur Stiftung Pommern in Kiel. Seit der Gründung des Pommerschen Landesmuseums kann das Gemälde in wechselnden Ausstellungen zusammen mit weiteren Werken der sogenannten Stettiner Sammlung bewundert werden. Anlässlich der Kunstpause wurde es aus dem Depot geholt und konnte im Detail betrachtet werden.
Dr. Kacprzak hatte die Geschichte des Gemäldes und das Schaffen Weisgerbers im Rahmen seiner Forschung zur Kunstförderung des Ehepaars Doering detailliert aufgearbeitet. Durch den minutiösen Abgleich von Archivunterlagen in Stettin und andernorts gelang es ihm, 80 bis 90 % der Kunstsammlung Doering in verschiedenen Museen und Sammlungen zu identifizieren. Die Sammlung Doering umfasste sieben Gemälde von Albert Weisgerber. Alle außer dem Werk „Im Biergarten“ wurden 1937 als entartete Kunst beschlagnahmt. Davon befinden sich drei heute im Saarlandmuseum in Saarbrücken, die drei übrigen sind verschollen. Dariusz Kacprzak veröffentlichte in sener Publikation Fotos dieser Werke aus dem Nachlassverzeichnis von 1916; er hegt die Hoffnung, dass sich der Werdegang einiger Werke noch erforschen lässt.
Der zweisprachige Band „Kunstsammlung Doering“ / „Kolekcja Doeringów" erschien 2024 im Verlag der Kultureinrichtung Villa Lentz in Szczecin – jenem Haus, das zwischen 1911 und den 1930er Jahren der Wohnsitz der Familie Doering gewesen war.
Die Präsentation im Rahmen der „Kunstpause“ ermöglichte es erstmals einem breiten Publikum in Vorpommern, Einblicke in diese umfangreiche Forschung zu erhalten.
Die Publikation ist stationär in der Villa Lentz (Willa Lentza) sowie im Nationalmuseum in Stettin (Muzeum Narodowe w Szczecinie) erhältlich – oder online über den Shop des Nationalmuseums.
Ein Projekt der Kulturreferentin für Pommern und Ostbrandenburg, gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Mehr zur Geschichte der Sammlungen im Pommerschen Landesmuseum.