Verwobene Geschichten. Der Croy-Teppich

Eine große Tapisserie mit vielen Details: links stehen sächsische Fürsten, rechts pommersche, oben auf der Kanzel Martin Luther.
Peter Heymans, Croy-Teppich, um 1554, Eigentum der Universität Greifswald, Foto: Thomas Meyer

Internationale Fachtagung am 10. und 11.09.2026 – Verwobene Geschichte. Der Greifswalder Croy-Teppich von 1554 und seine europäischen Bezüge

Tagungsbericht

Im Pommerschen Landesmuseum und im Krupp Kolleg Greifswald fand letzte Woche erstmals überhaupt eine Tagung zum Croy-Teppich statt – reich an Fachbeiträgen aus dem In- und europäischen Ausland. Am Donnerstag ging es zunächst um Herstellung, Rezeption und Erhaltung der Tapisserie. Es sprach unter anderem der Altmeister der Tapisseriekunde André Brutillot (La Chaux), der zunächst die Herstellung von Tapisserien im 16. Jahrhundert erläuterte und dann auf die Fragilität und begrenzte Lebensdauer von Tapisserien aufmerksam machte und die Probleme, die eine dauerhafte Ausstellung mit sich bringt. Livia Cárdenas (Lüneburg/Berlin) vermittelte einen Überblick über Bildgeschichte und Rezeption des Croy-Teppichs im 19. und 20. Jahrhundert. Die Restauratorin Anke Weidner (Berlin) stellte anhand von Bildern die vorbereitenden Arbeiten für die Restaurierung des Croy-Teppichs vor: die Öffnung der Vitrine, die behutsame Herausnahme der Tapisserie sowie Bau und Einrichtung der Schauwerkstatt. Die Besichtigung des Croy-Teppichs mit Erläuterungen der Restauratorin in der Schauwerkstatt war ein Highlight der Tagung. Diesen Einblick durften die Ministerin für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten Bettina Martin und die Rektorin der Universität Greifswald Prof. Dr. Katharina Riedel schon vorab genießen. Beide zeigten sich begeistert und bestärkten in ihren Grußworten zur Tagung die Bedeutung des Croy-Teppichs als einzigartiges Kunstwerk im europäischen Kontext. Ministerin Martin hob zudem das identitätsstiftende Potential für die deutsch-polnische Region hervor und freute sich, dass das Pommersche Landesmuseum durch die Schauwerkstatt Besucher*innen auf dem Weg der Restaurierung mitnehmen wird. Rektorin Riedel nannte den Croy-Teppich „ein Objekt, das es in sich hat“ und anlässlich der Tagung Tapisserieexpert*innen aus vielen Ländern angezogen hat. Für sie ist dieses wunderbare Kunstwerk, das sich im Eigentum der Universität Greifswald befindet, ein Stück Geschichte und Identität der Universität.

Am Freitag kamen Forscher*innen aus Polen, Schottland, Dänemark, Belgien, Estland und der Schweiz zu Wort. Zunächst stand die Wirk(ungs)geschichte von Tapisserien auf der Tagesordnung: Zeremonie, Hof, Diplomatie, Ökonomie. Am Nachmittag ging es in vergleichender Perspektive um europäische Tapisserien des 16. Jahrhunderts, vom dänischen und polnischen Königshof sowie aus städtischen Kontexten. Die Tagungssprachen waren deutsch und englisch.

Gut besucht waren auch die beiden öffentlichen Abendvorträge. Am Donnerstag sprach im Landesmuseum Philipp Zitzlsperger aus Innsbruck über die auf dem Croy-Teppich dargestellte höfische Kleidung und ihre Funktion als Standesmerkmal. Die Zuhörer*innen erhielten Einblick in die faszinierende Vielfalt der Pelze, die man im 16. Jahrhundert getragen hat. Der zweite Tagungstag fand im Krupp-Kolleg statt. Den Abendvortrag hielt der renommierte Reformationshistoriker Thomas Kaufmann aus Göttingen. Er ordnete den Croy-Teppich in den konfessionspolitischen Kontext seiner Entstehung ein und deutete ihn als Zeugnis der Befriedung der innerlutherischen Lehrstreitigkeiten 1552-54. Die pommerschen Herzöge präsentieren sich in dieser Situation auf dem Teppich als fromme Landesväter mit engen Beziehungen zu allen drei Reformatoren.

Nach den Vorträgen wurden zahlreiche Fragen gestellt und zwischen den Tagungsteilnehmenden entfalteten sich lebhafte Diskussionen. Die gelungene und bereichernde Tagung stand am Beginn der Restaurierung des Croy-Teppichs. Die fast 500 Jahre alte Tapisserie, die seit 20 Jahren in einer fest verschlossenen Vitrine des Pommerschen Landesmuseums hing, soll nun gründlich untersucht, dokumentiert und wenn nötig restauriert werden. Ab April 2028 wird sie in einer neuen Vitrine, die ideale Bedingungen für die beeindruckende, aber fragile Tapisserie bietet, wieder zugänglich sein. Geplant ist, dass bis dahin auch eine Publikation der Tagungsbeiträge vorliegt.

Zum Restaurierungsprojekt

Zum Tagungsprogramm

 

Mehrere Leute die auf den auf einem Tisch ausgerollten Croy-Teppich schauen.
Foto von der Croy-Tagung im Pommerschen Landesmuseum, Foto: Julia Kruse
4 Frauen die vor einem Tisch stehen auf dem der Croy-Teppich ausgebreitet liegt
Foto von der Croy-Tagung im Pommerschen Landesmuseum, Foto Jan Meßerschmidt