Vom Gewand zur Tracht

Blick in die Ausstellung: Schwerer Stoff: Frauen – Trachten – Lebensgeschichten
Blick in die Ausstellung: Schwerer Stoff: Frauen – Trachten – Lebensgeschichten

Am 23. April 2026 eröffnete im Museum Europäischer Kulturen in Berlin die Wanderausstellung des Donauschwäbischen Zentralmuseums in Ulm: „Schwerer Stoff – Frauen, Trachten, Lebensgeschichten“. Das Kulturreferat für Pommern und Ostbrandenburg war anwesend und nutzte die Gelegenheit zur Vernetzung sowie zum Austausch über die Forschung zu den Trachten.

Gezeigt werden im Rahmen der Sonderausstellung 20 Kleiderensembles der Donauschwäbinnen, Nachkommen deutschsprachiger Ausgewanderter, die sich vom späten 17. bis zum 19. Jahrhundert im Königreich Ungarn niederließen. Die traditionelle Kleidung wurde von ihren Trägerinnen als „Gewand“ bezeichnet beziehungsweise in Abgrenzung zur städtischen Kleidung als „bäurisch“. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg und der Flucht sowie Aussiedlung nach Deutschland begegneten sie dem Wort „Tracht“. Im Zuge der Anpassung an die neuen Lebensumstände verschwanden die mitgebrachten Kleider nach und nach in den Truhen und wurden nur noch bei Heimattreffen und -festen getragen. Die Kuratorin Henrike Hampe definiert „Tracht“ in diesem Kontext als eine im Gegensatz zum „Gewand“ erstarrte Kleidungsform, die Tradition und Gemeinschaft nach außen symbolisieren soll. Daher liegt es nahe, dass es korrekt ist in Pommern eher von der „Pyritzer Tracht" zu sprechen.

In seinen Projekten setzt sich das Kulturreferat für Pommern und Ostbrandenburg intensiv mit diesem Themenfeld auseinander; die Ausstellung bietet dazu interessante und lehrreiche Einblicke. Trotz des anderen regionalen Bezugs liefert sie wichtige Vergleichsperspektiven zu Erinnerung und Identitätsbildung.

Schwerer Stoff Frauen – Trachten – Lebensgeschichten
Kuratorin: Henrike Hampe
24.04.2026 bis 29.03.2027
Museum Europäischer Kulturen

Zur Ausstellung gibt es eine zweisprachige (deutsch/englisch) Publikation: „Schwerer Stoff. Frauen – Trachten – Lebensgeschichten“, herausgegeben vom Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm mit Beiträgen von Henrike Hampe, 156 Seiten mit zahlreichen Farbabbildungen, ISBN 978-3-00-079622-7.

Die Ausstellung wurde gefördert durch das Bundesministerium des Innern und den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Eine Sonderausstellung des Donauschwäbischen Zentralmuseums, Ulm im Museum Europäischer Kulturen der Staatlichen Museen zu Berlin.