Tracht

Zeichen von Individualität oder Objekt politischer Vereinnahmung?

Beitrag zum Workshop „Strick und Stick“ am 21. März 2026 von Dorota Makrutzki

Das „deutsche Volksgesicht“

Das Buch „Das Deutsche Volksgesicht“, erstmals 1940 erschienen und 1942 in zweiter Auflage veröffentlicht, veranschaulicht die tiefgreifende Durchdringung der deutschen Gesellschaft dieser Zeit durch die nationalsozialistische Rassenideologie. Die Nationalsozialisten erhoben den Anspruch auf absolute Deutungshoheit und etablierten einen radikalen Dualismus, der strikt zwischen „gut“ und „böse“ unterschied. Diese Ideologie duldete keine Gegenentwürfe und die Alleindeutungshoheit zeigt sich im Bild und im hochtrabenden Propagandavokabular der Texte in diesem Buch. Die dargestellten Protagonistinnen und Protagonisten werden als Repräsentanten eines vermeintlichen „Volksstamms“ inszeniert, wobei insbesondere das Bauerntum als Träger einer authentischen, „germanischen“ Volkskultur idealisiert wird. Diese Darstellung geht mit einer gezielten Instrumentalisierung des Bauernstandes einher: Formulierungen wie „aus Blut und Erdkräften geboren, (…)“ betonen eine vermeintlich ursprüngliche Verwurzelung in einer vorindustriellen Vergangenheit.

Die Fotografin Erna Lendvai-Dircksen lieferte 70 Fotografien der „deutschen Volksgesichter“ für dieses Buch. Zwei der abgebildeten Porträts zeigen eine alte sowie eine junge Frau in traditionellen Kopfhauben. Auf den schwarz-weißen Studiofotografien treten die durch Licht betonten Gesichter umrahmt mit weißen Spitzenkragen und einer Schleife am Hals aus dem schattigen Hintergrund hervor. Die Aufnahmen wirken zeitlos, ein Eindruck über den Charakter der Frauen wird durch die Kameralinse erfasst. Ihre Bilder tragen jedoch die pauschalen Unterschriften: „Alt-Bäuerin aus dem Weizacker. Eine der wenigen Frauen, die noch täglich die Tracht tragen“ und „Bauerntochter in Weizacker Tracht“. Laut blog.arthistoricum.net zählt Lendvai-Dircksen zu den meistpublizierten deutschen Fotografinnen ihrer Zeit.

Ein dichtes Netz institutioneller Strukturen legitimierte die Macht des NS-Regimes und durchdrang gezielt auch die Bereiche Handwerk und Landwirtschaft.


Im Handwerk wurde diese staatliche Kontrolle insbesondere durch die 1933 gegründete Reichskulturkammer unter der Leitung von Joseph Goebbels gesichert, deren Mitgliedschaft Voraussetzung für jede berufliche Tätigkeit im kulturellen Bereich war. Ergänzend dazu fungierte der Reichsstand des Deutschen Handwerks (gegründet am 3. April 1933) als zentrales Instrument zur politischen Erziehung der Handwerkerinnen und Handwerker im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie. Er regelte das Ausbildungswesen, koordinierte die Vergabe staatlicher Aufträge und organisierte Wettbewerbe, Messen sowie Publikationen. Zahlreiche Druckerzeugnisse wie das Magazin „Der Privatarchitekt“ oder das ab 1939 erschienene Blatt „Deutsche Warenkunde“ dienten dabei als Schulungs- und Propagandamedien. Eine weitere zentrale Rolle spielte die Deutsche Arbeiterfront mit ihrem angegliederten „Amt für Schönheit der Arbeit“, das unter Leitung von Robert Lay stand. Durch gezielte Auftragsvergaben, etwa im Bereich des Kunsthandwerks (z. B. Kantinengeschirr oder Wohnraumgestaltung), wurden Handwerkerinnen und Handwerker in kulturpolitische Strategien eingebunden.

Parallel dazu wurde auch die Landwirtschaft umfassend neustrukturiert. Der 1933 gegründete Reichsnährstand unter der Leitung von Walther Darré vereinte zwangsweise alle landwirtschaftlichen Betriebe, Verbände und Landwirtschaftskammern in einer zentralisierten Organisation. Mit seinen drei Hauptabteilungen „Der Mensch“, „Der Hof“ und „Der Markt“ regelte der Reichsnährstand sämtliche Bereiche der Ernährungswirtschaft und damit das gesamte bäuerliche Leben. Das Reichsgebiet wurde in 26 Landesbauernschaften gegliedert, die sich wiederum in Kreis- und Ortsbauernschaften unterteilten. Während ehrenamtliche Kreisbauernführer die Verwaltung auf mittlerer Ebene übernahmen, stellten die Ortsbauernschaften den direkten Kontakt zu den einzelnen Mitgliedern her. Auf diese Weise wurde die Landwirtschaft nicht nur ökonomisch gesteuert, sondern auch ideologisch gleichgeschaltet und die Bäuerinnen und Bauern in die nationalsozialistische Herrschaftsstruktur integriert.

 

Die Landesbauernschaft Pommern war eine der 26 regionalen Gliederungen des Reichsnährstands.

Im Archiv des Pommerschen Landesmuseums befindet sich eine Fotoserie, die vermutlich vor dem Gebäude eines Ortsbauernführers in Brietzig/Brzesko (Landkreis Pyritz) aufgenommen wurde. Sie zeigt eine Gruppe junger Menschen in Pyritzer Trachten, darunter eine dunkelhaarige Frau mit Haube, die der von Erna Lendvai-Dircksen porträtierten „Bauerntochter“ auffallend ähnelt. An der Tür ist eine auf dem Foto nur schwer erkennbare Plakette angebracht, die die Aufschrift „Reichsnährstand – Blut und Boden – Ortsbauernführer“ trägt. Auf der Rückseite der Abzüge findet sich der Hinweis „Amateur-Foto-Waterstradt, Hamburg-Lurup, Sprützkamp 26b“ und handschriftliche Notizen „Pyritzer-Weizacker-Trachten“ und „Volks-Trachten Pyritzer Weizacker“.

Tracht als „Werbemotiv“

Die Bauernschaft und ihre Trachten entwickelten sich im Nationalsozialismus zu einem beliebten „Werbemotiv“, das sowohl von privaten Unternehmen als auch von staatlichen Einrichtungen gezielt eingesetzt wurde. Versicherungen, Geldinstitute, Banken und Sparkassen ebenso wie Industriebetriebe griffen wiederholt auf Trachtenmotive zurück, um Vorstellungen von Bodenständigkeit, Tradition und „Volksnähe“ zu vermitteln.

So zeigt eine Postkarte der Allianz in Kooperation mit der Stuttgarter Lebensversicherungsbank ein Pyritzer Trachtenpaar und trägt einen Spruch in Platt: „Wer etwas spart, hat etwas. Wer alles gleich ausgibt, hat nichts“ („Sporwat het wat, Frätup het nicks“). Die Rückseite dieser Karte verweist auf den möglichen politischen Kontext: Sie ist mit einer am 27. März 1943 in Magdeburg abgestempelten Briefmarke versehen, die ebenfalls ein Paar, diesmal aber in Uniform der HJ bzw. BDM zeigt und die Aufschrift „Tag der Verpflichtung der Jugend 1943“ trägt. Diese Briefmarke steht im Zusammenhang mit neuen Formen von Weihe- und Aufnahmeritualen im NS-Staat. Schon das „Gesetz über die Hitlerjugend“ vom 1. Dezember 1936 schuf die Grundlage. Im März 1939 wurde dann mit der Verordnung zur „Jugenddienstpflicht“ festgelegt, dass alle Jugendlichen Mitglied in den NS-Jugendorganisationen sein mussten.

Auch die Industrie nutzte Trachtenmotive für ihre Werbung: So verwendete die Superphosphat-Industrie G.m.b.H. in Hamburg auf einer Postkarte charakteristische Trachtenelemente des Pyritzer Weizackers wie die markanten Trachtenstrümpfe, die auch im Kontext der Workshopvorbereitung „Strick und Stick“ und der Aufnahme der Schenkung von Lina Bahlmann besonders interessant wurden.

Inszenierung regionaler Identität im institutionellen Raum

Öffentliche Aufträge spielten eine zentrale Rolle bei der Verknüpfung von Handwerk, Kunst und Ideologie. Ein Beispiel in Pommern, wie das Handwerk gezielt als „künstlerische Speerspitze“ unter der Schirmherrschaft von Adolf Hitler inszeniert wurde und die Volkstrachten eingesetzt wurden, ist die Städtische Sparkasse zu Stettin. In zeitgenössischen Beschreibungen zu der neuen Stettiner Filiale in der NS Monatszeitschrift Pommerns „Das Bollwerk“ wird betont: „Denn hier ist überall Licht und Klarheit, hier ist überall Kunst - ja, es soll besonders hervorgehoben werden, hier ist überall pommersche Kunst!“, wobei der Verwaltung der Sparkasse ausdrücklich dafür gedankt wird, lokalen Künstlern Raum zur Entfaltung gegeben zu haben. Eins der publizierten Fotos zeigt das Glasfensterprojekt von Henry Hinsch mit Figuren in pommerschen Volkstrachten. Ein anderes Beispiel der Aufnahme der Trachten in Ausstattung eines staatlichen Geldinstituts ist die Giro-Abteilung der Sparkasse der Kreisstadt Pyritz; ein Foto im Artikel von Bärbel Schmidt im Forschungsprojekt der BKGE zeigt neben dem Schalter für die Bankkunden zwei Figuren in Pyritzer Tacht: den „Puppenvater“ und die „Puppenmutter“, wie es in den Artikel steht.

Die Trachtenerneuerung

Die sogenannte Trachtenerneuerung im Raum Pommern lässt sich umfassend in ihrer Organisation nicht eindeutig nachvollziehen. Einzelmaßnahmen beginnen Mitte der 1930er Jahre: 1934 verweisen zahlreiche Artikel und Publikationen auf Bestrebungen zur Vereinheitlichung regionaler Trachten, wobei insbesondere die von der Bauernschaft initiierten Webschulen eine zentrale Rolle zu spielen scheinen. So hebt Hermann Glander 1924 in seinem Beitrag im „Bollwerk“ mit dem Titel „Graue Wolle – bunte Tracht“ die bäuerlichen Tugenden hervor und stilisiert das Weben zu einer identitätsstiftenden Praxis. Getragen wurden diese Handwerksinitiativen von einem Netzwerk landwirtschaftlicher Bildungsstätten – darunter Bauernschulen: die Landwirtschaftsschule Pyritz, die Bauernhochschule Henkenhagen sowie die Landjugendschule in Lübzin. Wie Glander festhält, bemühte sich diese „ernsthaft […], das Weben und Spinnen wieder allgemein im Bauernhause heimisch zu machen“, gestützt durch die neu eingerichtete Webschule in Lübzin. Ein Artikel der Jarmener Zeitung stellt die einzelnen erneuerten Trachten in Pommern vor.

Auch im Rahmen öffentlicher Großereignisse gewann die „erneuerte“ Tracht in Pommern an politischer Bedeutung. Während der 700-Jahrfeier von Stralsund und des begleitenden Reichspommerntreffens wurde sie gezielt inszeniert, wie es anhand der Postkarte, die von Jörn Barfod in diesem Kontext hervorgehoben wurde, gedeutet werden kann. Wie Detlef Brunner beschreibt, wurde diese Feier zunehmend von der NSDAP vereinnahmt und stand im Kontext der politischen Umbrüche des Jahres 1934, insbesondere nach dem Röhm-Putsch. In dieser Phase wurde der pommersche Gauleiter Wilhelm Karpenstein abgesetzt; kurz nach der stralsunder Stadtfeier verstarb Paul von Hindenburg, was neben der Verhaftung der führenden SA-Funktionäre den Weg für die Machtkonsolidierung durch Adolf Hitler ebnete.

 

Staatliche Maßnahmen zur Trachtenerneuerung in Pommern

Systematische staatliche Maßnahmen zur Trachtenerneuerung lassen sich in Pommern ab 1939 eindeutig nachweisen. Mit der Einrichtung der „Mittelstelle Deutsche Tracht“ im März 1939 wurden die Aktivitäten gebündelt und vereinheitlicht; beteiligt waren unter anderem der Reichsnährstand, die Hitlerjugend, der Bund Deutscher Mädel sowie das Amt Volkstum/Brauchtum der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“. Die Arbeit gliederte sich in die Bereiche Trachtenforschung, Trachtenpflege und Trachtenerneuerung und stand auch in Pommern unter der Leitung von Gertrud Pesendorfer. In diesem Kontext stellt Jörn Barfod im Rahmen des Forschungsprojektes der BKGE die Frage, inwiefern die Trachtenerneuerung als Ersatz für ursprünglich geplante Uniformierungen ländlicher Parteigruppen und Massenorganisationen diente, etwa durch die Einführung differenzierter Fest- und Alltagstrachten sowie saisonaler Varianten.

Ein bedeutendes Zeugnis dieser staatlichen Bestrebungen in Pommern ist die sogenannte „Pommersche Trachtenmappe“ (Nr. 26), die im Tiroler Volkskunstmuseum aufbewahrt wird. Sie umfasst rund 80 Blätter mit maßstabsgetreuen Darstellungen zahlreicher Trachtenstücke. Die meisten Zeichnungen stammen von Lotte Fohr, weitere von Edith M. Lembcken und Bärbel Astfalck; einzelne Arbeiten sind mit „Diesner“ beziehungsweise „Kollmann“ signiert und entstanden zwischen Februar 1943 und November 1944.

Ergänzt wird die Mappe durch eine Reihe von Schwarz-Weiß-Fotografien, die Objekte aus Sammlungen des Pommerschen Landesmuseums in Stettin, des Museums für Deutsche Volkskunde in Berlin, des Museums in Stralsund sowie des Hauses der Heimat in Greifswald dokumentieren und so die museale wie ideologische Rahmung der Trachtenarbeit verdeutlichen. Viele der Originalvorlagen für die in der „Pommerschen Trachtenmappe“ dokumentierten Stücke sind heute nicht mehr erhalten, wodurch dem Material ein erheblicher Forschungswert zukommt. Dieser ist jedoch nicht losgelöst vom historischen Kontext zu betrachten: Die Zeichnungen und Fotografien entstanden im Rahmen gezielter kulturpolitischer Maßnahmen und sind eng mit den ideologischen Zielsetzungen der nationalsozialistischen Trachtenarbeit verbunden.

Trachtenträgerinnen und -träger als Instrument der NS-Propaganda

Eine ähnliche Vorsicht ist auch im Umgang mit dem Bildmaterial geboten. Viele Frauen und Männer aus dem Pyritzer Weizacker wurden als Trachtenträgerinnen und -träger inszeniert und dabei häufig zu Objekten einer typisierenden Darstellung gemacht. Meistens handelt es sich um volljährige Akteurinnen und Akteure, die sich – in einem von Ideologie geprägten Umfeld – in unterschiedlichem Maße selbst an diesen Inszenierungen beteiligten und, wie anzunehmen ist, in der Lage wären, die Verantwortung für ihre Mitwirkung zu übernehmen. Die Frage zur Beurteilung ihrer jeweiligen Handlungsspielräume muss noch näher erforscht werden. Wie Vergleichsmaterial zeigt, erscheinen sie meist nicht als Individuen, sondern als anonyme Vertreterinnen und Vertreter einer Gruppe. Nur in Einzelfällen gelang es bisher, die Identität der Abgebildeten zu ermitteln. So konnten durch die Publikation von Hubert Topp aus dem Jahr 1982 die „Bauerntochter“ mit dem „deutschen Volksgesicht“ als Hildegard Knipp, geb. Siede, sowie die „Altbäuerin“ als Elisabeth Siede identifiziert werden. Andere Fotografien beider Frauen befinden sich im Bestand des Pommerschen Landesmuseums in Greifswald. Insgesamt besteht hier weiterhin erheblicher Forschungsbedarf, sowohl hinsichtlich der dargestellten Personen als auch der Bildproduzentinnen und -Produzenten.

Die im Archiv des Pommerschen Landesmuseums überlieferten Fotografien stammen von Alice O'Swald-Ruperti. Nach ihrer Heirat mit Justus O’Swald zog sie in den späten 1920er Jahren zunächst auf das Gut Wendisch-Puddiger im Kreis Stolp und später nach Groß Sabin im Kreis Dramburg, wo ihr Ehemann als Verwalter tätig war. Diese biografischen Stationen verweisen zwar auf die regionalen Kontexte, in denen ein Teil der Aufnahmen entstanden sein dürfte, doch bleiben die genauen Umstände und Entstehungszusammenhänge bislang weitgehend unklar.

Exkurs: Lettland im Vergleich

Abschließend lohnt sich bei der Betrachtung der NS-Vereinnahmung der Tracht in Deutschland ein Blick auf die Nachbarn im Ostseeraum und damit auf Konzepte von „Authentizität“ und Nation, die – anders als im deutschen Fall – nicht zwangsläufig in Ausgrenzung und Gewalt münden müssen. Unter dem Einfluss von Johann Gottlieb Fichte entwickelte sich in Lettland eine Idealisierung des „Authentischen“ als identitätsstiftendes Moment. In der heutigen Gesellschaft führe die Auseinandersetzung mit solchen Vorstellungen dazu, dass Individuen eine persönliche und intime Beziehung zur Nation ausbilden. Nach Ansicht von Gustav Lundberg in seinem Artikel in der Zeitschrift Baltic Worlds begünstigt dies die Herausbildung eines antipopulistischen Nationalismus, der sich von anderen nationalen Bewegungen in Europa unterscheidet.

Fazit

Resümierend lässt sich festhalten, dass aktuelle Ausstellungen wichtige Impulse für eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema Tracht liefern, darunter „Formen der Anpassung“ im GRASSI Museum für Angewandte Kunst (2026), „Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne“ im Jüdisches Museum Berlin (2025) sowie „Bauhaus und Nationalsozialismus“ in den Weimarer Häusern, darunter das Bauhaus-Museum Weimar (2024). Auch regionale Perspektiven, etwa zu Else Mögelin oder zur Verbindung von Bauhaus und Spiritualität in Pommern im Nationalmuseum Stettin (Muzeum Narodowe w Szczecinie), tragen zur Belebung eines regionalen Diskurses bei. Insgesamt zeigt sich, dass das Thema in seiner Ambivalenz ernst genommen und vielschichtig behandelt werden muss – vielfach handelt es sich im pommerschen Kontext um eine erste systematische Annäherung.

Dies gilt insbesondere für den Umgang mit Bildmaterial, der eine stärkere Reflexion erfordert: Die Inszenierung von Personen wie Hildegard Knipp, geb. Siede, wirft die Frage auf, inwiefern sie als eine Art „Top Model“ ihrer Zeit fungierte und warum. Das anhaltende Interesse an Trachten und regionaler Identität macht deutlich, dass eine kritische Aufarbeitung notwendig bleibt. Dieser Verantwortung sollte sich die Forschung nicht entziehen, sondern sie aktiv und im Austausch mit polnischen Partnerinnen und Partnern weiterverfolgen.

Literatur

Erna Lendvai-Dircksen: Das Deutsche Volksgesicht. Mecklenburg und Pommern, Gauverlag Bayreuth, 1942

Fotografie im Dritten Reich: Erna Lendvai-Dircksen's „Nordseemenschen“, blog.arthistoricum.net https://blog.arthistoricum.net/beitrag/2021/09/27/fotografie-im-dritten-reich-erna-lendvai-dircksens-nordseemenschen (Zugriff am 17. März 2026)

NS-Regime - NS-Organisationen - Der Reichsnährstand https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/ns-organisationen/reichsnaehrstand (Zugriff am 17. März 2026)

Katalog zur Ausstellung: Formen der Anpassung. Kunsthandwerk und Design im Nationalsozialismus, Hirmer, 2025

NS-Regime - NS-Organisationen - Die Hitler-Jugend (HJ) https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/ns-organisationen/jugend (Zugriff am 17. März 2026)

Bärbel Schmidt, Puppen als Erinnerung an die Weizackertracht, https://www.bkge.de/weizackertracht (Zugriff am 17. März 2026)

Das Bollwerk: die NS Monatszeitschrift Pommerns, Pommerscher Zeitungsverlag, 1935, Heft 10 und 11

Das Bollwerk: die NS Monatszeitschrift Pommerns, Pommerscher Zeitungsverlag, 1935 Heft 1

Jarmener Zeitung, Pommersches Volkskundearchiv, Universitätsarchiv Greifswald, 17.08.1934

Jörn Barfod: Trachtenerneuerung in Pommern, https://www.bkge.de/weizackertracht (Zugriff am 17. März 2026)

Detlef, Brunner: Eine Stadt im Systemwandel vom Ende des Kaiserreichs bis in die 1960er Jahre: Veröffentlichungen zur SBZ-/DDR-Forschung im Institut für Zeitgeschichte, Oldenbourg, 2010

Weizackerkreis Pyritz, ein Bildband über den Kreis Pyritz in Pommern, Zusammengestellt und Beschrieben von Hubert Topp, Herausgeber: Heimatkreisausschuß des Heimatkreises Pyritz in der Pommerschen Landsmannschaft, 1982

Ostdeutsche Heimat: Pommernland Ostoderland, 1951, 3 Jahrgang

Alice O'Swald-Ruperti, Fotografie, https://www.oswald-ruperti.de (Zugriff am 13. April 2026)

Gustav Lundberg: In pursuit of the authentic. Latvia’s intimate nationalism in the past, present and future, In: Baltic Worlds, 12.2025, Vol. XVIII: 4, S. 80-86

Textilien als Schwerpunktthemen des Kulturreferats für Pommern und Ostbrandenburg

Seit 2025 zählen Textilien zu den zentralen Schwerpunktthemen des Kulturreferats für Pommern und Ostbrandenburg. Damit reagiert es auf die anhaltende Unsichtbarkeit eines häufig unterschätzten Kulturguts. Während Möbel, Gemälde und Bücher meist sorgfältig bewahrt werden, sind es gerade Kleidungsstücke und Heimtextilien, die zuerst verloren gehen – sei es durch Mottenbefall, Feuchtigkeit oder eine schwindende Wertschätzung.

27.-28. September 2025: Weben mit Kamm, Workshop und Austausch mit Gundel Hergenhan, Expertin für traditionelle Bandweberei

Repliken gewebter Bänder von Astrid Dibbelt

Erfassung der Schenkung von Dr. Ina Heinze, Nachlass von Lina Bahlmann

21.-22. März 2026: Auf Strick und Stick. Tradition der Pyritzer Strümpfe entdecken